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Erzählausbildung - ein Hirngespinst?von Martin Ellrodt.....im Prinzip, nein. Eine Einrichtung wäre vorstellbar, die ähnlich einer Schauspielschule in einem mehrjährigen Studium das Handwerk mündlichen Erzählens vermittelt und dabei auf die unterschiedlichen Genres wie Märchen, Geschichten aus eigenem Anbau, literarische Nacherzählungen usw. eingeht. Ob die Existenz einer solchen Einrichtung auch wünschenswert wäre, darüber gehen die Meinungen der professionellen ErzählerInnen jedoch schon wieder auseinander; momentan ist diese Frage auch zweitrangig, da wir realistisch gesehen noch weit entfernt von der Möglichkeit der Gründung einer solchen Akademie entfernt sind. Derweil versuchen die unterschiedlichsten Einrichtungen ihr Glück, auf teilweise abenteuerlichen Wegen; einige gehen sogar so weit, eine "Ausbildung zur Märchenerzählerin" anzubieten, die dann einige tausend Mark kostet. Um es an dieser Stelle einmal klar zu sagen: keines dieser Angebote erfüllt die qualitativen Ansprüche, die mit dem Wort "Ausbildung" gemeinhin verbunden sind, und denen vermutlich nur mit einer Akademie wie der oben beschriebenen Genüge getan werden könnte. Selbst wenn es sich um 15 Wochenendseminare von jeweils 2 1/2 Tagen Dauer handelt, sind das immer noch erst 225 Unterrichtseinheiten, zumeist im Gruppenunterricht. Eine "Aus"bildung ist das nicht. Zum Vergleich: eine Schauspielschule umfaßt ca. 3200 Unterrichtseinheiten, eine "inoffizielle Weiterbildung" des BdAT (Bund deutscher Amateurtheater) zum Spielleiter immerhin noch 640 UE. Welcher Weg ist denn nun gangbar, wenn eine sich ins Erzählen vertiefen will? Zunächst: das Erzählen von Geschichten ist eine Kompetenz, die je nach Kultur und geschichtlichem Abschnitt unterschiedlich weit in den Alltag hineinreicht. Auch in der westlichen Kultur des 21.Jahrhunderts wird im Alltag erzählt, wenn man unter einer Erzählung ganz nüchtern die Wiedergabe einer Begebenheit versteht mit dem Ziel, die Zuhörerschaft zu interessieren und emotional an dieser Begebenheit zu beteiligen. Will man sich dem Erzählen verstärkt widmen, kann dies einfach durch vermehrtes Ausprobieren geschehen, ähnlich wie der Weg ins Theater oft über Laiengruppen führt, bei denen auch keine amtlichen Zugangsqualifikationen verlangt werden. Bibliotheken, Kulturzentren, Altenheime, Kindertagesstätten, Talentschuppen in Kleinkunstbühnen freuen sich fast immer über das Angebot, in ihren Räumen tätig zu werden. Und wer die härteste und beste Schule durchlaufen will, der geht in die Fußgängerzone..... Es gibt erste zarte Versuche, durchdachte Anreize und Angebote für eine Förderung erzählerischer Fähigkeiten zu schaffen; ein solches Projekt ist der Baustein "Geschichtenerzählen" im Programmangebot der Akademie Remscheid. Des weiteren ist die Wirkstatt Karlsruhe derzeit damit befaßt, ein Konzept auszuarbeiten, das überregional angeboten werden soll; mit einem Beginn der Kurse wird für Mitte 2003 gerechnet. Ansonsten verbleiben nur die vereinzelt durch GeschichtenerzählerInnen angebotenen Seminare (die alle nicht für sich den Charakter einer Ausbildung in Anspruch nehmen wollen), in Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Institutionen. Wegen der bislang schwachen Vernetzung der Beteiligten ist es erzaehlen.de nicht möglich, hier einen vollständigen Überblick zu geben. Einstweilen muß man einfach die Augen offen halten, bzw. ErzählerInnen, die einen interessieren, direkt kontaktieren. Möglicherweise ergibt sich im Lauf der nächsten Monate und Jahre eine stärkere Zusammenarbeit der Erzählenden auch in dieser Hinsicht. www.erzaehlen.de wird Euch auf dem Laufenden halten......bis dahin: viel Spaß beim Erzählen! Zurück zur Übersicht | |||||||||||||||